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Was können sie mir tun?

Ein Gespräch über Ordensstrukturen, das Weltliche an Klöstern, das Löschen des ewigen Lichts und die finanzielle Unabhängigkeit als eine Voraussetzung für freies Sprechen.

Schwester Katharina Kluitmann holt Papier und einen Stift, bevor sie antwortet. Sie wollte ursprünglich Lehrerin werden, sagt sie mit einem Lachen. Was sie erklären möchte – was Franziskanerinnen sind, woher sie kommen, warum es vierzig verschiedene Sorten davon gibt – lasse sich am besten mit einer Zeichnung erklären. Sie zeichnet einen Baum.
Franziskus von Assisi, zwölftes, dreizehntes Jahrhundert: sammelte Leute um sich, ohne es geplant zu haben. Erster Ast, die Männer, Wanderprediger.
Seine Weggefährtin Klara – adelig, jünger als Franziskus, nicht weniger entschlossen – sammelte Frauen um sich. Zweiter Ast, die Klarissen. Aber Klara war eine Frau, und eine Frau gehörte ins Haus: erst dem Vater, dann dem Ehemann, oder dem Herrn Jesus. Alle drei hatten das Recht, sie wegzusperren. Also lebten die Klarissen in Klausur – eingetuppert, abgeschlossen, nach innen gewandt.
Aus dem dritten Ast, den Laien, die der Friedensidee des Franziskus folgten, ohne ihre Familien zu verlassen, wuchsen schließlich die regulierten Orden. Kongregationen. Die, sagt Schwester Katharina und tippt auf eine Verzweigung im Baum, leben anders. Ein Orden, aber kein Leben in Klausur. Kongregationen haben ein Apostolat – einen Auftrag nach außen. Schulen, Krankenhäuser, Altenheime. In Deutschland allein gibt es vierzig Kongregationen, die Franziskanerinnen sind. Dreihundert Frauenorden insgesamt, über alle Traditionen hinweg.

Die unvermutete Weltlichkeit der Klöster

Das Mutterhaus der Kongregation liegt nahe Roermond in Holland, in Heythuysen, wo die Gründerin der Gemeinschaft im Garten begraben liegt. Von dort aus hat sich die Gemeinschaft seit 1835 verbreitet: in die Niederlande, nach Deutschland, Polen, Indonesien, Brasilien, die USA. Heute sind es weltweit rund tausend Schwestern. Im Mutterhaus selbst wohnen noch achtzehn – Durchschnittsalter einundneunzig Jahre, die Jüngste vierundachtzig.
Zwei Drittel des Gebäudes gehören längst einer weltlichen Stiftung, die darin ein Altenheim betreibt. Das letzte Drittel gehörte noch der Gemeinschaft, und darin wohnen die Schwestern. Die Stiftung wollte dieses letzte Drittel – nicht, weil sie den Raum dringend brauchte, sondern damit kein fremder Käufer einzieht. Schwester Katharina, als Oberin, nutzte das. Sie ließ die Stiftung wissen, dass sie sich anderweitig umsehen würde, falls kein Einvernehmen erzielt würde. Die Stiftung kaufte.
Sie schrieb auf einer einzigen DIN-A4-Seite auf, was ihr wichtig war: Wohnrecht auf Lebenszeit für alle Schwestern, eine neue kleine Kapelle, stufenweise Übergabe der Etagen an festgelegten Terminen. Die Stiftung übernimmt die Energiekosten. Wie lange die Etagen noch belegt sein würden, berechnete man mit Heubecktafeln – Sterblichkeitstabellen aus dem Versicherungswesen. Ende 2025, so die Berechnung, würden es statistisch noch 18,3 Schwestern sein. Der Kaufvertrag hatte 360 Seiten. Was sie auf einer Seite festgehalten hatte, hatten die Juristen beider Seiten auf dreihundertsechzig ausgedehnt.
Das ist die eine Seite dieser Lebensform: Klöster müssen, wenn ihre Zeit abläuft, rechtlich abgewickelt werden wie jede andere Organisation auch. Vereinsrecht, Sterblichkeitstabellen, Kaufverträge. Die andere Seite zeigt sich in dem Moment, über den Schwester Katharina als nächstes spricht.

Das ewige Licht

Es ist der Moment, der alles andere kurz zum Stillstand bringt. Schwester Katharina erzählt, was passiert, wenn eine Kirche profaniert wird – wenn sie aufhört, Kirche zu sein. Die große alte Kapelle des Mutterhauses war für zweihundert Schwestern gebaut worden, für achtzehn war sie zu groß. Also wurde in der alten Bibliothek eine neue eingerichtet, sorgfältig gestaltet, mit einer Architektin zusammen. Und dann wurde die alte profaniert.
Profanieren bedeutet: einer Kirche den heiligen Charakter entziehen. Dafür gibt es einen Ritus. Das heilige Brot wird aus dem Tabernakel genommen und in die neue Kapelle überführt. Und dann wird das ewige Licht ausgepustet. In jeder katholischen Kirche hängt beim Tabernakel ein rotes Licht. Es zeigt an: Jesus ist hier. Wenn dieses Licht ausgepustet wird, ist das der einzige Moment in der gesamten Liturgie, in dem das geschieht – außer am Gründonnerstag, wenn die Kirche den Tod Christi begeht. Aber am Gründonnerstag brennt das Licht zu Ostern wieder. Bei der Profanierung: nie mehr. Für die Schwestern, die in dieser Kapelle ihre Profess gemacht haben – die dort ihre Gelübde abgelegt haben, die diesen Raum als den Ort ihres ganzen Ordenslebens kennen – ist dieser Moment schwer. An diesen Mauern hängt mehr als Stein.

Was bleibt, wenn ein Kloster verwaist

Was wird aus diesen Mauern, wenn die Schwestern weg sind? An Klöstern hängen oft weitere Gebäude – Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime, die im Laufe der Jahrzehnte dazu gebaut wurden. Diese Gebäude, sagt Schwester Katharina, sind Gebäude wie andere auch. Wenn der Zweck sich ändert, ändert sich das Gebäude, von ihr aus. Die Kapelle aber, die zum Kloster gehört, ist nicht einfach ein Raum. Sie ist der Ort, an dem das Licht brennt.
Sie hat das einmal selbst gespürt, in Rom, in einer alten Kirche, in der oben auf der Orgelempore ein Restaurant eingerichtet worden war. Sacro e Profano – Heilig und Profan. Sie hat es versucht, doch so richtig konnte sie es sich dort nicht schmecken lassen, es hatte eben einen komischen Beigeschmack für sie. Manchmal, sagt sie, ist es ehrlicher, etwas ganz zu entfernen – einmal traurig zu sein – als etwas einzurichten, das der Erinnerung nicht ganz gerecht wird.

Was können sie mir tun?

Viele Menschen machen keinen Unterschied zwischen einem Orden und der Kirche als Institution. Das ist verständlich – Klöster gehören zur Kirche, sie tragen oft ihren Namen, sie folgen ihrer Liturgie. Aber rechtlich und finanziell sind sie etwas anderes. Ein Orden ist ein eingetragener Verein. Er bekommt keine Kirchensteuer, keinen Cent. Die Kirchensteuer fließt zu den Bischöfen. Kongregationen finanzieren sich durch ihre Arbeit und durch Spenden – selbstständig, auf eigene Rechnung.
Das hat Konsequenzen, die sich vor allem im Ernstfall zeigen. Als im Herbst 2018 die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz erschien, war Schwester Katharina gerade frisch gewählte Vorsitzende der Deutschen Ordensoberkonferenz. Viele machten keinen Unterschied zwischen Orden und Bistum. Sie war plötzlich die Vertreterin einer Organisation, deren Mitglieder als Täter bezeichnet wurden (und es teilweise auch waren). Das war eine Feuerprobe. Weil Kongregationen sich selbst finanzieren, können sie auch selbst und frei sprechen, beispielsweise im Synodalen Weg, wo es um Reformfragen der Kirche ging.

„Wir hatten keine Angst. Was können sie mir tun? 
Wenn wir sagen, ‚so nicht!‘ – können die Bischöfe das nicht gutheißen. Aber den Geldhahn abdrehen können 
sie nicht. Wir erhalten ja ohnehin nichts von ihnen.“
Diese strukturelle Freiheit hat auch eine innere Entsprechung: Die Macht liegt nicht oben, sondern bei den Schwestern selbst. Alle fünf Jahre treffen sie sich, blicken zurück, schauen voraus, wählen. Eine Oberin hat immer einen Rat um sich, ein Amt auf Zeit, nach zwei Amtszeiten ist Schluss. Als Vorsitzende der Deutschen Ordensoberkonferenz (DOK) führte Schwester Katharina dreihundert weibliche und 100 männliche Ordensgemeinschaften nicht durch Weisungsrecht, sondern durch Argument.

Kongregation als Lebensform

Am Ende des Gesprächs gibt es eine Hausführung. 
Die Wohnung in dem Münsteraner Pfarrzentrum – vier Zimmer, Küche, Bad, Balkon, Gästezimmer für Mitschwestern auf Durchreise – sieht nicht aus wie ein Kloster. Keine Klostermauern, kein Kreuzgang. Zum gemeinsamen Gebet gehen die Schwestern in eine der nahegelegenen Kirchen. Schwester Katharina hat darüber hinaus eine stille Ecke in ihrem Zimmer für die stillen Momente zwischendurch.
Einmal pro Woche fährt sie sonntags nach Holland zu den achtzehn Schwestern in Heythuysen, kommt montags wieder. Den Rest erledigt sie von Münster aus: Vorträge, Predigten, Arbeit im Synodalen Weg. Sie hat sich bewusst entschieden, hier zu leben – nicht dort, wo das Kloster im Abschluss steckt und die Schwestern alt sind, sondern dort, wo sie mehr bewegen kann. Das ist Apostolat. Nach außen gehen, nicht nach innen ziehen. Das, sagt Schwester Katharina, ist der Unterschied. Nicht die Mauern entscheiden, was ein Kloster ist.
Schwester Katharina Kluitmann OSF ist Franziskanerin der Gemeinschaft von Heythuysen/Lüdinghausen, Theologin und promovierte Psychologin. Sie war zehn Jahre Provinzoberin einer deutschen Provinz und vier Jahre Vorsitzende der Deutschen Ordensoberkonferenz (DOK). Sie lebt in Münster und begleitet die Gemeinschaft in den Niederlanden. 
franziskanerinnen-LH.de

„Ein Kloster ist kein Gebäude. 
Es ist ein Wohnort von Menschen, 
die ihr Leben auf Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam gegründet haben – und in Gemeinschaft wohnen.“