Aufrecht bleiben – Community mit Adresse
Als wir die erste Ausgabe von AUFRECHT vorbereiteten, wussten wir nicht, wie sie ankommen würde. Ein Magazin über Recht, Raum, Souveränität – wer liest das?
Die Resonanz hat uns überrascht. Und sie hat uns bestätigt. Es gibt Menschen, die mehr wollen als schnelle Antworten. Die bereit sind, innezuhalten. Die Recht nicht nur als Dienstleistung verstehen, sondern als Kulturgut. Die glauben, dass Räume mehr sind als Quadratmeter.
Diese Ausgabe – „Münster – Stadt der Klöster“ – hat den Begriff „Monasterium modernum“ in die Mitte gestellt. Nicht als akademische Spielerei. Als Programm. Münster ist Monasterium. Die Stadt, die aus einem Kloster wuchs, braucht ein neues Kloster – eines, das nicht religiös bindet, sondern weltlich öffnet. Eines, das Recht nicht als Produkt begreift, sondern als Gemeingut. Eines, das Wissen nicht beliebig anbietet, sondern kuratiert bereitstellt.
Bruder Paulus hat gesagt: Die Zukunft des Klosterlebens liege nicht in den Gebäuden, sondern in den Räumen zwischen Ich und Du.
Ulrike Rose hat gesagt: Das Erste, was man retten müsse, seien nicht die Mauern. Sondern die Haltung.
Andreas Jurgeleit hat seinen Söhnen die Namen zweier Mönche gegeben und dreißig Jahre darüber geschwiegen.
Fidelis von Sigmaringen hat den Rechtsberuf verlassen, um Kapuziner zu werden. Er wurde Patron der Juristen – und fast niemand weiß das.
Und eine Familie stand vor dem Christophorus-Bild, hörte eine Geschichte über Schutz und Last, und zog sich zurück, als ein einziger Name fiel.
All das gehört zusammen. Es erzählt von der Suche nach Orten, an denen man ankommen kann. An denen nicht sofort die Frage steht: Was will der von mir? Sondern die Frage: Was brauche ich?
Das Kloster der Moderne ist Community mit Adresse. Es steht am Roggenmarkt 1 in Münster. Es hat fünf Räume: Atrium, Scriptorium, Refugium, Kreuzgang, Remise. Was die Remise wird, hat sich beim Schreiben dieses Hefts noch einmal verschoben — von einem Raum, der zeigt, zu einem Raum, in dem auch die Besucher etwas hinterlassen.
Kommen Sie einfach vorbei. Nicht, weil wir alle Antworten haben. Sondern weil wir glauben, dass die richtigen Fragen einen Ort brauchen.
Andreas Koenen
Münster, April 2026